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Latein

Warum Latein?

Ist diese Sprache noch zeitgemäß für Kinder, die mit Fernsehen, Computer und Internet aufwach-sen und diese Medien auch in ihrem späteren Berufsleben souverän beherrschen sollen? Ja, mehr denn je! Denn gerade das Latein stellt in der gymnasialen Ausbildung den Ruhepol und die ideale Ergänzung zu dieser multimedialen Welt dar — auch wenn sich sein Nutzen manchem erst auf den zweiten Blick erschließt.


I. Der praktische Nutzen

Das Latinum ist Zulassungsvoraussetzung für zahlreiche Masterstudiengänge Nützlich bis erfor-derlich sind möglichst fundierte Lateinkenntnisse für zahlreiche weitere Studiengänge wie z. B. Pharmazie, Medizin, Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaften. Auch die meisten rein univer-sitären Abschlüsse (Magister Artium, Promotion) setzen in der Regel Lateinkenntnisse voraus - zumindest im geisteswissenschaftlichen Bereich. Der spätere Erwerb von Lateinkenntnissen bzw. des Latinums kostet viel Zeit und Energie.
Dagegen erwirbt sich jeder Schüler des Gymnasiums das Latinum, der nach 5 Jahren Pflichtunter-richt am Ende der Jahrgangsstufe 10 mindestens die Note "ausreichend" vorweisen kann. Das ist für jeden fleißigen Schüler zu schaffen.

Latein ist die "Muttersprache" der romanischen Sprachen Französisch, Spanisch, Italienisch, Por-tugiesisch, Rumänisch und erleichtert daher das Erlernen dieser Sprachen erheblich.
Latein bietet in allen europäischen Sprachen eine hervorragende Hilfe zum Verstehen von Lehn- und Fremdwörtern und ist weltweit der Grundstock und das unerschöpfliche Reservoir für die wissenschaftliche und technische Begriffswelt - besonders auch im Bereich des Englischen.

Ein guter Lateinunterricht leistet eine intensive Unterstützung für den Deutschunterricht und fördert in besonderem Maße das muttersprachliche Ausdrucksvermögen. Das zeigt sich jedes Jahr wieder in den landesweiten Deutschtests, bei denen die Lateinklassen regelmäßig deutlich besser abschneiden. Gerade in unserer Zeit von sprachlich auf ein Minimum reduzierten E-MAIL und SMS - Kontakten gewinnt dieser Aspekt des Lateinunterrichts besondere Bedeutung.
Durch das ständige Vergleichen zwischen dem Lateinischen und der Muttersprache lernen die Schüler diese erst richtig kennen. Lateinschüler wissen, was Grammatik ist, und sie verstehen, wie Sprache funktioniert. Daher erleichtert Latein das Erlernen jeder beliebigen anderen Sprache wesentlich.

II. Latein als Schule des Denkens


Durch seine Eigenart fordert und fördert Latein in besonderem Maße Klarheit und Disziplin im Denken. Das ständige geistige Training fördert - ähnlich wie in Mathematik in besonderem Maße das logische und analytische Denken und stellt damit eine wertvolle Vorbereitung für jeden Be-ruf und jedes Studium dar (Studierfähigkeit!).
Ein gewiss unparteiischer Zeuge dafür ist die Studienstiftung des deutschen Volkes: Sie stellte - in Übereinstimmung mit Gutachten von Universitäten - fest, dass Abiturienten mit Lateinkenntnis-sen "mehrfach und mit Abstand" am besten abschnitten.

III. Grundsätzliche Erwägungen

Das Lateinische zwingt durch seine Eigenart zum genauen, sogenannten "mikroskopischen" Lesen und erhält damit gerade in unserer modernen Welt eine immer wichtigere Funktion:
Latein erzieht in besonderem Maße zur Genauigkeit, Gründlichkeit und Konzentration.
Verglichen mit den schnell wechselnden Einstellungen und bewegten Bildern der Medienwelt ist Latein sozusagen das Standbild. Es stellt das Gegengewicht zum rein konsumierenden Schauen dar.

Wer Latein lernt, nimmt intensiv teil an der "klassischen Bildung", der sich Millionen Menschen in der vom europäischen Geist geprägten Welt verpflichtet fühlen. In besonderem Maße fördern Latein und seine Literatur das Geschichtsbewusstsein, wecken ein Gespür für kulturelle Konti-nuität und bieten Hilfen bei Erkenntnisprozessen und Lösungsansätze für existentielle Probleme.
Gerade unter europäischen Vorzeichen gewinnt unser gemeinsames lateinisches Erbe erhöhte Attraktivität und Aktualität.

Auch für Abiturienten wird angesichts überfüllter Universitäten und unsicherer Arbeitsmarkt-chancen für Akademiker eine Berufsausbildung (oft mit anschließendem Studium) zunehmend interessant. Gefördert werden dafür eine möglichst breite Allgemeinbildung, verbunden mit der Fähigkeit, sich im Deutschen schriftlich und korrekt, angemessen und gewandt ausdrücken zu können, sowie eine gefestigte Persönlichkeit, die Lern- und Leistungsbereitschaft, Konzentration- und Anpassungsfähigkeit zeigt.

VI. Ist Latein schwer?

Latein ist nicht schwerer als andere Fremdsprachen, wie z. B. das Französische, zumal es keinerlei Belastung durch Rechtschreib- und Ausspracheregeln gibt. Ferner ist der Wortschatz begrenzt, die Grammatik klar und logisch aufgebaut und die Literatur überschaubar.
Latein ist günstig für die sprachliche Förderung von Kindern, die vorerst noch lieber lesen und schreiben als sprechen wollen.