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Fünf gute Gründe, Französisch zu lernen

1. Nur Englisch als Fremdsprache? - Mehrsprachigkeit ist zeitgemäß

Modernes Leben und Arbeiten läuft über Kommunikation – Internet, World Wide Web, vernetztes Denken – und dies keineswegs nur auf Englisch! Europa zeichnet sich aus durch eine einzigartige sprachliche und kulturelle Vielfalt. Wachsende innereuropäische Mobilität und länderübergreifende Zusammenarbeit, aber auch die aktuell verstärkt stattfindenden weltweiten Migrationsbewegungen tragen dazu bei, dass unsere Welt enger zusammenrückt. Immer mehr Kinder und Jugendliche wachsen schon heute zweisprachig auf und bewegen sich zwischen den Kulturen.

Schon im November 2006 formulierte die Europäische Kommission in ihrer Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit deshalb das Ziel „Muttersprache+2“: Langfristig sollen alle EU-Bürgerinnen und Bürger über ihre Muttersprache hinaus mindestens noch zwei weitere moderne Fremdsprachen lernen. Dabei sollten breite, über das Englische hinausgehende Sprachenkenntnisse keineswegs nur als Zusatzqualifikation für den Eintritt ins Berufsleben gesehen werden. Sprachliche Vielfalt ist gerade auch deshalb fördernswert, weil sie ein wesentlicher Beitrag zum sozialen Zusammenhalt sein kann, eine Quelle der Toleranz, der Akzeptanz von Unterschieden und der Völkerverständigung.

 

2. Französisch als Brückensprache

Kein junger Mensch kann heute schon wissen, mit welchen Fremdsprachen er beruflich oder privat einmal zu tun haben wird. Umso wichtiger ist die Frage, welche Sprachen eine optimale Ausgangsbasis zum Erlernen möglichst vieler anderer Sprachen eröffnen. Französisch erfüllt hier in besonderer Weise die Voraussetzungen einer „Weltbrückensprache“ (Klein). Französischkundige können sich 78% des englischen Wortschatzes erschließen (der umgekehrte Transfer liegt nur bei 55%). Die lexikalischen Überschneidungen mit den romanischen Schwestersprachen Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Rumänisch, Katalanisch etc. sind freilich um ein Vielfaches größer!

Die Aussprache des Französischen gilt allgemein als schwierig. Doch auch dies bringt einen ganz wesentlichen Vorteil mit sich: Im phonetischen System des Französischen sind fast alle Laute der Restromania schon enthalten. Wer also Französisch lernt - und das idealerweise in jungen Jahren -, wird, sollte er später noch eine weitere romanische Sprache hinzulernen, mit deren Aussprache kaum mehr Probleme haben.

Und schließlich liegt dem Französischen ein hoch grammatikalisiertes System zu Grunde, dessen Aneignung sprachliche Logik und Denkfähigkeit schult und das effizient auf alle anderen romanischen Sprachen übertragbar ist. Die französische Sprache bildet also eine solide und umfassende Ausgangsbasis für den Zugang zur gesamten romanischen Sprachengruppe in Europa und in der übrigen romanischsprachigen Welt.

 

3. Französisch als Weltsprache

Die Organisation Internationale de la Francophonie (OIF) geht im Jahr 2014 von 274 Millionen Französischsprecherinnen und -sprechern in 75 Ländern und 5 Kontinenten aus, davon ca. 90 Millionen Muttersprachler. Bis Mitte des Jahrhunderts wird ein erheblicher Anstieg der Sprecherzahlen prognostiziert, dies insbesondere mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung in Afrika, wo aufgrund der kolonialen Vergangenheit Französisch wichtigste Zweitsprache ist. Auch auf dem amerikanischen Kontinent gibt es Zonen, wie z.B. Québec, die flächenmäßig größte Provinz Kanadas, in der Französisch ausschließliche Amtssprache ist. In der UNO bedienen sich ebenso viele Delegationen der französischen wie der englischen Sprache.

Ferner ist Französisch – neben Englisch und Deutsch – eine der wichtigsten Amts- und Arbeitssprachen der Europäischen Union. Frankreich ist Gründungsmitglied der europäischen Institutionen, von denen sich viele in den hauptsächlich französischsprachigen Städten Brüssel, Straßburg und Luxemburg befinden. Französisch ist auch die traditionelle interne Arbeitssprache des Europäischen Gerichtshofs und des Europarats. Vier westeuropäische Länder (Frankreich, Belgien, Luxemburg, Schweiz) bedienen sich des Französischen als Amtssprache.

 

4. Franzosen und Deutsche: Ziemlich beste Freunde…

Am 22. Januar 1963 haben Charles de Gaulle und Konrad Adenauer einen weltweit einzigartigen Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Der Élysée-Vertrag hat unseren beiden Ländern nach drei verheerenden Kriegen zu nun schon Jahrzehnte andauernden freundschaftlichen Beziehungen verholfen. Auch wenn es nicht immer einfach ist: Deutschland und Frankreich waren und sind die Motoren im europäischen Einigungsprozess. Keine Entscheidung geht an diesen beiden wichtigen Mitgliedsstaaten vorbei.

Frankreich ist seit 54 Jahren der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Im Jahr 2014 wurden zwischen den beiden Nachbarländern Waren im Wert von 169 Milliarden Euro gehandelt. Ein Vergleichswert: Das Außenhandelsvolumen Deutschlands mit Spanien und dem gesamten spanischsprachigen Raum Lateinamerikas kommt mit 80 Milliarden Euro nicht einmal auf die Hälfte.

Zahlreiche deutsche und französische Firmen arbeiten eng zusammen, im Handels- wie im Rechtswesen, im Banken- und Versicherungswesen und vor allem auf dem Gebiet von Industrie und Technik. 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen vom wirtschaftlichen Austausch mit Frankreich ab. Wer Französisch spricht, ist hier klar im Vorteil.

Der Austausch unter Jugendlichen und länderübergreifende Bildungsprojekte waren von Anfang an ein besonderes Anliegen der deutsch-französischen Beziehungen. 4.300 Partnerschaften zwischen deutschen und französischen Schulen sowie das einzigartige Austauschangebot des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) mit 200.000 Teilnehmern jährlich machen es leicht, unser Partnerland zu entdecken. Auch zwischen deutschen und französischen Universitäten wurden eine Fülle von Austauschvereinbarungen getroffen. So bietet die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) angehenden Studentinnen und Studenten über 140 verschiedene binationale Studiengänge in allen Fachbereichen an. Das Bayerisch-Französische Hochschulzentrum (BFHZ) fördert zudem in besonderer Weise die studentische Mobilität zwischen Bayern und Québec. Eine solche Vielfalt länderübergreifender Studienangebote ist sicher einzigartig auf der Welt.

 

5. Reisen: Besichtigst du noch oder erlebst du schon?

Frankreich ist nach wie vor ein für uns leicht erreichbares, hochattraktives Reiseziel von erstaunlicher landschaftlicher Vielfalt und kulturellem Reichtum. Wenn auch die Hauptstadt Paris über Jahrhunderte hinweg kaum an Faszination eingebüßt hat, so erlebt doch das Reisen insgesamt derzeit einen Wandel: Galt es lange noch als Ausweis von Weltläufigkeit, große Sehenswürdigkeiten besichtigt zu haben, so gehören inzwischen selbst die exotischsten Orte der Erde schon zum touristischen Standardprogramm. Zugleich sind im Zeitalter des Massentourismus aber auch viele Urlaubsformen austauschbar geworden. Stattdessen wird – gerade unter jungen Erwachsenen – Authentizität beim Reisen immer wichtiger. Im Zentrum steht mehr und mehr das unverwechselbare Erlebnis vor Ort. Was vor allem zählt, ist der Kontakt mit Menschen und der lässt sich in authentischer Weise nur dann herstellen, wenn man sich um deren Sprache bemüht. Französischkenntnisse öffnen hier viele Türen und zwar keineswegs nur nach Frankreich selbst. Gerade in der Begegnung mit vielen afrikanischen Ländern wie Marokko, Algerien, Tunesien etc., aber auch in Ostkanada ist uns Französisch das „nächste Fremde“.

Nur mit soliden Sprachkenntnissen und einem Grundverständnis für kulturelle Unterschiede kann man sich anderen Mentalitäten nähern. Dazu gehört auch ein Mindestmaß an Einblick in die historischen und kulturellen Voraussetzungen dieser Länder. Gerade dieser tiefer gehende Blick macht gymnasiales Sprachenlernen aus. Wer am Gymnasium Französisch lernt, lernt auch, über die aktuellen Verhältnisse in den französischsprachigen Ländern zu reflektieren, gewinnt historische Einsichten und spätestens in der Oberstufe auch einen ersten Einblick in die französische Literatur und Philosophie, die unser europäisches Denken maßgeblich geprägt haben.